Beurteilungskriterien für Fleischerzeugnisse mit größerer Marktbedeutung für das gesamte Bundesgebiet

4. Januar 2017

In der Vergangenheit hat die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Arbeitsgruppe Fleischwaren, sogenannte „Beurteilungskriterien für Fleischerzeugnisse mit größerer Marktbedeutung für das gesamte Bundesgebiet“ herausgegeben. Die letzte Fassung stammte aus dem Jahr 2007.

Nunmehr hat die Arbeitsgruppe am 15.11.2016 die 5. grundlegend überarbeitete und erweiterte Neufassung vorgelegt. Diese kann hier abgerufen werden.

Im Gegensatz zu den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuches verfügt die Lebensmittelchemische Gesellschaft über keinen gesetzlichen Auftrag zur Veröffentlichung entsprechender Beurteilungskriterien. Es handelt sich daher nicht um antizipierte Sachverständigengutachten vergleichbar den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches, sondern um Sachverständigenäußerungen besonderer Qualität, die gerichtlich mithilfe entsprechender Gegenbeweise widerlegt werden können.

Nichtsdestotrotz werden die Beurteilungskriterien der Lebensmittelchemischen Gesellschaft vergleichbar den DGHM-Richt- und Warnwerten für bestimmte, in den Beurteilungskriterien genannte Erzeugnisse regelmäßig von der amtlichen Lebensmittelüberwachung zur Ermittlung der Verkehrsauffassung herangezogen und haben deshalb eine wichtige Bedeutung für die lebensmittelrechtliche Praxis.

Die Beurteilungskriterien enthalten vier Tabellen, von denen zwei bekannt und zwei neu sind.

Die Tabelle 1 enthält für verschiedene Produkte übliche Wasser-Fleischeiweiß- und Fett-Fleischeiweiß-Verhältnisse, wobei die Beurteilungskriterien diese selber als Obergrenze verstehen (vgl. Vorbemerkung 12). So sollen bereits geringfügige Überschreitungen eine nicht unerhebliche Abweichung von der Verkehrsauffassung darstellen.

Darüber hinaus wurde die Produktgattung „Leberwurst mit frischen Zwiebeln“ gestrichen und dafür ein erklärender Passus zur Bewertung eines erhöhten Wasser-Fleischeiweiß-Verhältnisses für alle Produkte angefügt.

Tabelle 2 enthält sodann Angaben zum durchschnittlichen Fettgehalt für bestimmte Produkte. Diese können als Grundlage für eventuelle Auslobungen zu einem reduzierten Fettgehalt herangezogen werden.

Die Tabelle 3 enthält erstmals bestimmte Beurteilungskriterien für einige regionale Spezialitäten.

Die Tabelle 4 fasst Beurteilungskriterien für geschützte geografische Angaben zusammen.

Die vormalige Tabelle 2 mit Beurteilungskriterien für Kochpökelwaren aus Schweinefleisch, also Kochschinken oder Kasseler, ist ersatzlos gestrichen worden.

Stand: 04.01.2016

Redaktion: Sascha Schigulski, Rechtsanwalt, Gummersbach, info@kwg.eu

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