Dekontamination von Fleisch, Fisch und Milch im Hinblick auf Listeria monocytogenes

14. Juli 2017

Nach dem europäischen Lebensmittelhygienerecht, insbesondere der Verordnung (EG) Nr. 853/2004, dürfen Lebensmittel tierischen Ursprungs zum Zweck der Entfernung von Oberflächenverunreinigungen nur mit Trinkwasser oder sauberem Wasser behandelt werden. Darüber hinaus ist zwischenzeitlich auch die Verwendung von Milchsäurebakterien für Rindfleisch zugelassen.

Nunmehr hat die EU-Kommission einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der die Zulassung eines Dekontaminationsmittels für bestimmte Lebensmittel zum Sofortverzehr vorsieht, die Listeria monocytogenes enthalten können. Bei dem zuzulassenden Wirkstoff handelt es sich um ein Produkt auf der Basis von Bakteriophagen mit dem Markennamen ListexTM P100. Das Mittel soll eine signifikante Reduktion von Kontaminationen mit Listeria monocytogenes erreichen können.

Die EFSA hat das vorgelegte Präparat im Jahr 2016 als sicher beurteilt, nachdem sie sich intensiv mit der Frage von möglichen Resistenzen und einem eventuell im Enderzeugnis noch vorhandenen technologischen Zweck beschäftigt hat. Der Entwurf der Kommission sieht vor, dass bei der Abgabe zwischen Lebensmittelunternehmern eine Information über den Einsatz von ListexTM P100 in der Lebensmittelkette weitergegeben werden soll. Eine Informationspflicht gegenüber dem Endverbraucher soll hingegen nicht bestehen.

Das Mittel soll für zum Sofortverzehr vorgesehene Fleischerzeugnisse, zum Sofortverzehr vorgesehene Fischereiprodukte und zum Sofortverzehr vorgesehene Molkereiprodukte zugelassen werden.

Die zugehörigen Informationen können hier abgerufen werden.

Auf dieser Internetseite hat die Kommission darüber hinaus den interessierten Kreisen die Möglichkeit eröffnet, den Gesetzesvorschlag zu kommentieren. Die Eingabe kann sowohl anonym als auch unter Namensnennung erfolgen. Die Frist zur Abgabe einer derartigen Stellungnahme endet am 09.08.2017.

Angesichts der eingangs dargestellten Rechtslage stellt die geplante Zulassung eines Dekontaminationsmittels gegen Listeria monocytogenes ein Novum dar. Abzuwarten bleibt, ob und in welcher Form der nunmehr vorgelegte Entwurf schließlich zum Gesetz wird.

Stand: 14.07.2017 

Redaktion:     Rechtsanwalt Sascha Schigulski, info@kwg.eu

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