Erweiterte Zusatzstoffzulassungen für Fleischzubereitungen

10. Juni 2014

Nach Erlass der Unionslisten für Lebensmittelzusatzstoffzulassungen gemäß Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 bestand bislang nur eine sehr eingeschränkte Zulässigkeit für die Verwendung von Zusatzstoffen bei Fleischzubereitungen. Dies hat vielfache Diskussionen hervorgerufen.

Daraufhin wurde der Entwurf einer Änderungsverordnung vorgestellt, der mehrfach geändert wurde und ebenfalls umstritten war. Dieser Verordnungsentwurf hat nunmehr die Zustimmung im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit erhalten, so dass am 05.06.2014 die Verordnung (EU) Nr. 601/2014 der Kommission im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde, die weitergehende Zusatzstoffzulassungen für Fleischzubereitungen enthält.

Mit der Verordnung erfolgt zunächst eine Änderung des Anhangs II Teil A. Dieser betrifft die Einschränkungen des Migrationsgrundsatzes. In der Tabelle 1, in der die Lebensmittel aufgeführt sind, in denen nach dem Migrationsgrundsatz nach Art. 18 Abs. 1 a) der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 Zusatzstoffe nicht zugelassen werden dürfen, wird unter Ziffer 1 klargestellt, dass es sich hier um unbehandelte Lebensmittel mit Ausnahme von Fleischzubereitungen im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 handelt. Bei Fleischzubereitungen ist ein Carry-over damit grundsätzlich zulässig, ausgenommen Farbstoffe.

Darüber hinaus werden in Anhang II Teil D die Unterkategorien der Lebensmittelkategorie „08. Fleisch“ neu gefasst, um Fleischzubereitungen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 aus der Unterkategorie „Frisches Fleisch“ auszunehmen. Sodann werden bestimmte bestehende Zulassungen von Zusatzstoffen für Fleischzubereitungen erweitert sowie verschiedene neue Zulassungen geschaffen.

Eine besondere Stellung haben zukünftig Fleischzubereitungen, denen andere Zutaten als Zusatzstoffe oder Salz zugefügt werden. Für solche Fleischzubereitungen wird die Verwendung der Zusatzstoffe E 261, E 262, E 300, E 301, E 302, E 325, E 326, E 330, E 331, E 332 und E 333 zugelassen, die bislang lediglich für abgepackte Zubereitungen aus frischem Hackfleisch zugelassen sind. Darüber hinaus wird für diese Fleischzubereitungen zusätzlich die Verwendung von E 260, E 263, E 270 und E 327 erlaubt.

Des Weiteren werden verschiedene Zusatzstoffzulassungen für Fleischzubereitungen geschaffen, denen Zutaten injiziert werden oder die aus Fleischteilen bestehen, die unterschiedlich bearbeitet wurden (zerkleinert, in Scheiben geschnitten oder verarbeitet) und miteinander kombiniert sind (z. B. Rouladen mit einer Füllung aus Hackfleisch/Faschiertem). Für diese Produkte soll die Verwendung von E 401 – E 404, E 407, E 407a, E 410, E 412, E 413 und E 415 zugelassen werden. Ausgenommen von dieser Produktgruppe sind jedoch Gyros, Bifteki, Soutzoukaki, Kebab und Souvlaki.

Für die zuvor dargestellte Produktgruppe sowie für Gyros, Souvlaki, Bifteki, Soutzoukaki, Kebab und Seftalia sollen darüber hinaus auch die Zusatzstoffe E 1414 und E 1442 zugelassen werden. Eine weitere Sonderzulassung gilt darüber hinaus für Geflügelfleischzubereitungen sowie die Produkte Mici, Bifteki, Soutzoukaki, Kebab, Seftalia, Cevapcici und Pljeskavice im Hinblick auf den Zusatzstoff E 500.

Ferner werden Phosphate (E 338 – E 452) als Feuchthaltemittel für die Produkte Kasseler, Bräte, Surfleisch, Toorvorst, Saslokk, Ahjupraad und Burger Meat mit einem Gemüse- und/oder Getreideanteil von mindestens 4 % sowie Finnischen Weihnachtsschinken zugelassen. Letztlich besteht eine Sonderzulassung für E 100, E 120, E 150 a-d, E 160c und E 162 zum Färben von merguez-Erzeugnissen und anderen traditionellen Erzeugnissen (Salsicha Fresca, Mici, Butifarra Fresca, Longaniza Fresca, Chorizo Fresco sowie teilweise Bifteki, Soutzoukaki, Kebab, Cevapcici und Pljeskavice).

Die nunmehr veröffentlichte Verordnung tritt am 25.06.2014 in Kraft. Den Verordnungstext finden Sie als Anlage anbei.


 

Stand: 05.06.2014

Redaktion: Christian Theis, Rechtsanwalt, Gummersbach, info@kwg.eu

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